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Das kommt heraus, wenn Regeln missachtet werden. Ein Velo-Tempel in Zürich. Ein kunterbuntes Potpurri, das man viel zu wenig antrifft. Willkommenes Heilmittel gegen Regulierungen, durchgesetzt von finanzstarker Obrigkeit...
"Schade, dass es schon so schnell wieder vorbei sein soll!", hörte man hier und dort. "Eigentlich brauchen wir gar keinen neuen Hardturm. Sowas sollte eigentlich stehengelassen werden!" Und dabei waren die zig tausenden Besucher keines Wegs bloss linksautonome Aktivisten.
Als Kontrapunkt ist der anarchistische Hardturm unter dem Namen "Brotäktschen" jedenfalls gelungen.
Auch politische Normalos merkten, wie sehr sie im Alltag eigentlich von Regeln gebunden sind und wie befreiend und friedlich es sein kann, sich in einer rechtsfreien, nicht regulierten freien Zone zu bewegen.
Fair von den Initianten finde ich zudem, dass sie ihre Aktion nicht während, sonder nach der EM angesetzt haben. Somit wird das Konstruktive und Zukunft gerichtete ihrer Initiative richtig wahrgenommen: es geht nicht um blosse Kritik, sondern um Fragen des "Wie weiter?" und "Wie, wenn wir denn noch ein Mal die Chance kriegten?" Der rechtsfreie Raum in der besetzten Zone, welcher sich innert kürzester Zeit kreativ füllte, stellt der Fussball-EM geradezu ein liberales Modell gegebenüber: hier spürt man geradezu eine intrinsische Euphorie, die nicht von aussen gesteuert ist oder in Grenzen gehalten wird.
UEFANGULO steht gross an die Wand geschrieben. Der Kontrollzauber ist aber auch ein wenig auf die Brotäktschn-Macher übergesprungen: am Eingang stehen grosse Plakate, auf denen das Fotografieren verboten wird. So viel Kritik an der Kritik darf wohl sein.


Die EM-Gastgeber müssen verfrüht nach Hause gehen.
Aber eigentlich: bleiben sie zu Haus. Und wie es sich für einen Gastgeber gehört, wollen wir unseren Gästen etwas für die Weiterreise mitgeben.
Europa hat nach unserer Auffassung ein Demokratie-Defizit. Deshalb kommt es, dass sich viele Europäer insgeheim freuen, wenn irgendein kleines Land die Pläne der EU-Funktionäre in Bruxelles den Bach hinunter schickt...
Für die meisten Europäer ist Europa kein Zuhause - vielmehr macht ihnen die Vorstellung eines einheitlichen Europas Angst: Europa braucht keinen einheitlichen Überbau, Europa braucht Strukturen, die den Reichtum der Vielfalt nicht töten, sondern produktiv machen. Dazu braucht es einen wirksamen Minderheitenschutz, demokratische Mitbestimmungsrechte und eine stark verbesserte Transparenz. Europa braucht kein neues "Wir" - Europa braucht ein echtes "Wir Zusammen". Zu diesem "Wir Zusammen" können wir heute schon ja sagen. Vorerst aber sind wir stolz, der Demokratie Asyl zu gewähren.